In Natalia Weiss´  Arbeiten tummeln sich eine Menge an Protagonisten, die sich von Werkserie zu Werkserie gerne wiederholen: Tiere, vorzugsweise Vögel, Ratten, Insekten und kleine Reptilien, erscheinen immer wieder neben Teppichmessern, Scheren, Mobiltelefonen und anderen Utensilien des täglichen Bedarfs, um in ihrer Konstellation Stimmungen zu erzeugen und Geschichten zu erzählen.
In diesen intimen Kompositionen geht es immer um den oder viel mehr um einen bestimmten Anderen, mit dem Weiss in ihrer zeichnerischen und druckgrafischen Arbeit in Dialog tritt, der aber dem Betrachter/der Betrachterin der Bilder schlussendlich verborgen bleibt.
„Ich arbeite stetig an meinem inneren, privaten, gezeichneten Vokabularium, mit dem ich mit der Welt, dem Gegenüber, dem Außen in Kontakt kommen möchte.“ 
Es sind Bilder die einen großzügigen Einblick in das Seelenleben der Künstlerin erlauben und gleichzeitig jeden Einblick verweigern.
Atmosphärisch sind die Hintergründe der Ding- und Tierfamilie meistens „Nichträume“, die in ihrer „Nichtheit“ ein ideales Umfeld für die fokussierten Anordnungen (oder Aufstellungen?) der Weiss’schen Wesen und ihrer Sprachkommentare bieten.

Auch diese Aussagen werden chiffriert: In Haikus, Anagrammen, Palindromen, Phantasieworten, Halbsätzen und vehementen Wortwiederholungen, sprechen solche, die in der offiziellen Welt eigentlich nichts zu sagen haben, aus den Bildern heraus und verwirren oder erhellen auf einer zweiten Ebene. Ergänzt werden diese „Sprechblasen“ durch zusätzliche Kommentare, die wie Stimmen aus dem Off erscheinen und die vielfältigen Bildinhalte zusammenfassen.


Zur Technik:


Natalia Weiss ist eine Meisterin des Strichs, oder eigentlich der unendlich vielen Striche, setzt sie doch gerne die Technik der Schraffur ein um mittels eng aneinandergesetzter Linien ihre Figuren zu modellieren. Diese an einen Kupferstich erinnernde Technik wird gerne mit und auf alten Materialien aus dem Druckerei- und Bürobedarf ausgeführt. Tusche auf vergilbten Bilanzierungstabellen, Letraset-Buchstaben, Feder und Edding-Marker – ein zeitgemäßes Spiel mit Werkzeug aus vordigitalen Zeiten. Hinzu kommt ein Arbeiten in Radier-Technik – vorzugsweise dem Ätzen von Zink – einem aufwendigen Prozess, der fundiertes Wissen und jahrelange Erfahrung verlangt, wobei Weiss immer direkt auf die präparierte Platte arbeitet, ohne vorzuskizzieren oder vorgefertigte Zeichnungen zu reproduzieren. So entstehen unmittelbare Arbeiten, bei denen es keine „Fehler“ gibt, denn die materialbedingten Überraschungen sind wichtiger Teil dieser Technik.

 

(Edith Payer, 2018)

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© Natalia Weiss